Die Telefonzentrale in Grossvaters Estrich

Die Mettlers waren seit jeher stark ins Dorfleben integriert und haben mit ihren unterschiedlichen Ämtern zur Entwicklung von Reichenburg beigetragen. Unter anderem beherbergte Alfred Mettler 27 Jahre lang die PTT-Telefonzentrale in seinem Dachstock im «Haus zum Hecht». 83 Jahre später präsentiert Adrian Mettler AG nun zusammen mit sak, Salt und Sunrise die Glasfaser in Reichenburg.


Wie das Telefon nach Reichenburg kam

Am 26. Oktober 1861 präsentierte Philipp Reis in Frankfurt am Main erstmals einen Apparat, der Sprache mit Hilfe des elektrischen Stroms in die Ferne übertragen konnte. Doch seine Erfindung wurde lange Zeit unterschätzt. Erst 15 Jahre später meldete Alexander Graham Bell in den USA das erste Telefon zum Patent an. In der Schweiz wurde die neue Kommunikationsmöglichkeit gut aufgenommen. 1880 gab es in Zürich bereits 200 Anschlüsse und der Beruf des «Telefonfräuleins» erlebte einen Aufschwung. In Reichenburg wurde 1905 mit dem Lokalbatteriesystem der Betrieb aufgenommen.


Nur dank dem «Fräulein vom Amt» konnte eine Telefonverbindung hergestellt werden. Manchmal brauchte es ein paar Versuche und etwas Geduld. Noch 1916 betrug beispielsweise die Wartezeit für ein Telefonat von Biel in den Berner Jura mehrere Minuten. Damit das Netz nicht an die Belastungsgrenze kam, waren Ferngespräche auf eine Gesprächsdauer von drei Minuten beschränkt.

Die Telefonzentrale im Dachgeschoss

Der Erfolg des Elektrogeschäfts von Alfred Mettler ermöglichte ihm 1936 den Kauf des zerfallenen Nachbargebäudes «Haus zum Hecht», das früher vermutlich einmal ein Restaurant beherbergte. Er baut es komplett neu aus und gestaltet moderne Mietwohnungen draus. Das Dachgeschoss findet einen speziellen Mieter – nämlich die PTT. Am 14. Mai 1938 wurde eine Telefonzentrale im Dachgeschoss eröffnet und damit zog die Automatisierung des Telefonnetzes in Reichenburg ein. Jedes Telefon wurde mit zwei Drähten angeschlossen und die Telefonfreileitungen zierten mehr und mehr das Dorfbild. Das Telefon gleichzeitig eine Erfolgsgeschichte der Schweiz: 1959 wird die letzte handbetriebene Zentrale automatisiert und somit sind wir weltweite das erste Land mit einem voll automatisierten Telefonnetz bis ins letzte Dorf. Telefonieren war damals noch eine sehr teure Angelegenheit. So kosteten 1965 drei Minuten nach Amerika stattliche 52 Franken.


Nach 27 Jahren wurde der Estrich zu klein

Das «Haus zum Hecht» hatte seinen Dienst getan und die stets steigende Anzahl von Teilnehmern verlangte nach mehr Kapazität. Am 7. Dezember 1965 wurde an der Rütibachstrasse eine neue Zentrale in Betrieb genommen. Gleichzeitig fand um 07.30 Uhr die Einführung der Zeitimpulszählung statt. Die Telefonnutzung in der Schweiz stieg kontinuierlich an und 1971 zählte die Schweiz bereits 2 Millionen Teilnehmer.



Zukunft gehört der Glasfaser

Die Ansprüche an Telefonleitungen sind heute um ein Vielfaches höher, laufen nicht nur Gespräche, sondern auch die gesamte Internetnutzung über das gleiche Netz. Geschwindigkeit und Stabilität sind von essenzieller Bedeutung. Die Glasfaser-Technologie bietet all das. Adrian Mettler AG ist stolz, gemeinsam mit sak, Salt und Sunrise die Glasfaser demnächst in Reichenburg präsentieren zu können. Bei der Lancierung des Telefons ging der erste Anschluss von Reichenburg nach Benken und jetzt wird die erste Glasfaser von Benken nach Reichenburg gehen. Es scheint, als schliesse sich im 100. Jahr der Firmengeschichte ein Kreis. Was im Dachstock begann, fliesst im Boden verankert weiter.





Quellen

«Fotofräulein». Museum für Kommunikation – Verbunden mit der Welt

https://www.mfk.ch/fileadmin/files/02_Forschen/01_Sammlung/04_Entdecken/20210623_Publikation_Telefonzentralen_Jaq-TH.pdf